Da ist er nun endlich: Der Auslöser für meine Motivtortenleidenschaft seit Anfang 2012!
Diejenigen von euch, die selbst schon Braut waren oder es bald sind, können meine Überlegungen sicherlich nachvollziehen. Als angehende Braut macht man sich ja schließlich über alle möglichen Sachen der bevorstehenden Hochzeit Gedanken: Was ziehe ich bloß an? Wen laden wir alles ein? Wo feiern wir ... und, und, und. Klar, das können sicherlich auch diejenigen nachvollziehen, welche noch nicht diese Situation erleben durften, wollten oder konnten. Tja, aber im Kopf einer Braut gehen noch viel mehr Sachen vor sich: Was zieht er wohl an und hoffentlich passt das dann auch zu meinem Schleier?!!! Welche Farbe sollen die Schleifen an den Give-Aways haben - Oh mein Gott, die Give-Aways müssen ja auch noch ausgesucht werden.... Nehme ich noch ein paar Ersatzschuhe mit? Und natürlich: Wie soll bloß unsere Hochzeitstorte aussehen und wie soll sie gefüllt sein? Tja und dabei bin ich hängen geblieben. Da mir die üblichen Hochzeitstorten von Konditoren nicht wirklich ins Konzept passten, war die Idee schnell geboren: "Ich backe und dekoriere meine Hochzeitstorte selbst ... tz, das werde ich wohl hinbekommen - gebacken habe ich ja schließlich schon immer gern, der Rest kommt schon." Schließlich hatte ich ja noch knapp ein halbes Jahr Zeit.
Was soll ich sagen: Nach den ersten Versuchen und stundenlangem Belesen stand fest, dass es wohl doch nicht so einfach werden würde. Spätestens aber nach meiner ersten Motiv-Torte war noch klarer, dass mir ein kleines Monsterprojekt sowohl im Sinne von unzähligen Vorbereitungen als auch was den Zeitfaktor anging, bevorstand. Schließlich habe ich zuvor weder Rosen aus Zucker hergestellt noch Torten übereinander gestapelt. Trotzdem hat mir die Arbeit an der Torte sehr viel Spaß gemacht und ich möchte keine der Erfahrungen, die sie mir für weitere Torten gebracht hat, missen.
Da ich mich schon entschieden hatte, wie mein Brautstrauß aussehen soll und welche Blumen darin enthalten sein werden, konnte ich schon Anfang März mit der Herstellung von Rosen, Blumen, Knospen und Blättern aus Zucker beginnen. Diese sollten nämlich dem Brautstrauß nachempfunden sein. Die Zucker-Blumen werden aus Blütenpaste hergestellt, welche sehr schnell aushärtet. Für die Rosen habe ich jedes Blatt einzeln aus leicht gefärbter Blütenpaste ausgestochen und bearbeitet. Die geschwungenen Blätter der Rosen wurden extra mit einem Draht versehen, sodass sie nach dem Trocknen individuell zur Rose hinzugefügt werden können. Dadurch sieht jede Rose anders aus, wie auch in der Natur. Nachdem ich die Rosen gebunden hatte, habe ich sie noch mit Lebensmittel-Pulverfarben abgepudert, sodass die Rosen echter wirken. Die kleinen rosa Blümchen habe ich einfach dem Bild des Brautstraußes nachempfunden, welches ich mir schon aus meiner Brautzeitung ausgeschnitten hatte. Genauso bin ich mit den rosa Knospen verfahren. Die grünen Blätter dagegen habe ich mit einem Herzausstecher ausgestochen und dann ebenfalls abgepudert. Bei diesen jedoch sehr stark, da ich die Blütenpaste nur leicht eingefärbt hatte, um dann mit den Pulverfarben einen echten Blatton malen zu können. Wie in der Natur sollten die Blätter noch einen Glitzereffekt erhalten. Auch dafür gibt es tolle Puderfarben, die das möglich machen.
Die Blumen herzustellen, hat wohl die meiste Zeit gekostet. Geschätzt habe ich an einer Rose ca. 3 - 4 Stunden reine Arbeitszeit gesessen. Somit ist ganz klar, dass man solche Arrangements besser nicht erst eine Woche vor dem Tortentermin beginnt. Da es ja meine ersten Rosen aus Zucker waren, werde ich vielleicht irgendwann einmal ein wenig schneller. Da sie jedoch vollständig aushärten, sind sie gut vorzubereiten und in einem verschlossenen Karton auch gut aufzubewahren sowie vor Staub o. Ä. zu schützen.
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In der Woche vor der Hochzeit habe ich dann die Blumen zu einem Gesteck arrangiert. Dazu habe ich eine kleine Styroporkugel genutzt. Von dieser habe ich ein kleines Stück abgeschnitten, sodass sie stehen kann. Dann wurde begonnen, zuerst die Blattranken (Für die Blätter werde ich euch ein kleines Tutorial erstellen, was auch in den nächsten Tagen hier zu sehen sein wird.), dann die Rosen und abschließend die kleinen Blümchen und Knospen von unten her hineinzustecken. Wichtig ist, das Loch für die jeweilige Blume vorzustechen, damit man diese dann mit der Zange behutsam in die Kugel einbringen kann. Beim Hantieren mit den ausgehärteten Zuckerblumen ist nämlich äußerste Vorsicht geboten, da diese sehr schnell bricht oder wegplatzt. Zum Glück ist bei mir alles heil geblieben und ich war stolz auf mein erstes Blumenarrangement (bei dem mir mein Mann eine hilfreiche Unterstützung war)! Zum Lagern habe ich eine kleine Schüssel genutzt, da die Rosen sonst unten aufgelegen hätten und wieder die Gefahr des Bruches bestand.
Eine Woche vor der Hochzeit ging es dann auch daran, mit dem Backen zu beginnen, denn die untere Etage sollte eine Sachertorte nach Oma Buchholtz (das Rezept findet ihr hier) werden, welche noch 7 Tage durchziehen musste. Diese Etage hatte einen Durchmesser von 30 cm und war 10 cm hoch. Das Ursprungsrezept habe ich daher vervierfacht und zweimal gebacken.
Die zweite Torte war eine Aprikosen-Marzipan-Torte und bei einem Durchmesser von 24 cm sowie einer Höhe von 10 cm doch recht zeitaufwändig, was das Backen angeht. Hier muss nämlich jeder Boden einzeln gebacken werden, auskühlen und dann noch eine leckere Aprikosen-Marzipan-Füllung hergestellt werden. Trotzdem kann ich sagen, dieser Aufwand lohnt sich! Die Torte war superlocker und sehr lecker. Das Rezept dazu gibt es hier!
Als oberste Torte habe ich mich für eine meiner Lieblingstorten entschieden: Die Mohn-Schicht-Torte mit Pflaumenmus. Auch bei dieser Torte wird jeder einzelne Boden gebacken, gefüllt und gestapelt. Jedoch lohnt sich ebenfalls der Aufwand, denn die Torte ist nicht nur zur kalten Jahreszeit ein echter Gaumenschmeichler ;o) Wie bei der Aprikosen-Marzipan-Torte findet ihr das Rezept hier. Die oberste Etage war übrigens 18 cm im Durchmesser und 11 cm hoch.
Alle drei Torten habe ich mit Zartbitterganache (200 g Sahne, 250 g Zartbitterkuvertüre) umhüllt, was vor allem bei der obersten Torte wichtig war, da sich die Puddingfüllung nicht mit dem Fondantüberzug vertragen hätte. Außerdem war unter der mittleren und obersten Torte jeweils eine 5 mm dicke Kapaplatte (Leichtschaumplatte, gibt es z. B. in Bastelläden) eingearbeitet, damit sich die Torten gut übereinander stapeln und auch schneiden bzw. abheben lassen. Da die gesamte Torte ein Gewicht von ca. 15 kg hatte, war klar, dass die jeweiligen Torten gestützt werden müssen. Das heißt, in jeder Torte hatten sich 5 Buchenholzstäbe versteckt. So war gesichert, dass die jeweils untere Torte nicht unter der Last der oberen zusammenbricht. Durch die gesamte Torte führte dann noch ein großer Buchenholzstab direkt durch die Mitte, damit die Torten nicht verrutschen und alles gut fixiert ist. Diesen habe ich mutig mit dem Hammer bis zum mit Fondant überzogenen Cakeboard (unterste 10 mm dicke Kapaplatte) geschlagen, auf welcher die Torte stand. Ein wenig Handwerkergefühl kam dabei schon auf ... ;o) Die Stäbe ließen sich aber beim Anschneiden sehr schnell und unkompliziert herausnehmen, sodass sie prima ihren Sinn erfüllten.
In meine erste dreistöckige Hochzeitstorte habe ich wirklich viel Herzblut und vor allem wahnsinnig viel Zeit investiert. Umso glücklicher war ich, als sie endlich fertig gestellt war, heil in unserer Location stand und auch genauso geworden ist, wie ich es mir vorgenommen hatte. Es ist ein ganz besonderes Gefühl, seine eigene Hochzeitstorte zu designen, selbst zu backen und zu dekorieren - aber ein ganz tolles und wunderbares! Sehr gern werde ich mir in unserem Hochzeitsalbum die Bilder (von denen mir unsere supertollen Hochzeits-Fotografen vom Fotostudio smile-shoots einige geschossen und zur Verfügung gestellt haben) immer wieder gern ansehen!
Ich freue mich, wenn wir uns bei den Rezept-Posts für die zwei oberen Etagen meiner Hochzeitstorte in den nächsten Tagen wieder lesen. Bis dahin wünsche ich euch ein zauberhaftes und sonniges Wochenende !
Eure Jessi!